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 Betreff des Beitrags: Robert Domes - Nebel im August
BeitragVerfasst: So 14.Apr 2013 13:53 

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1. Name des Autors: Robert Domes

2. Titel des Werkes: Nebel im August - Die Lebensgeschichte des Ernst Lossa

3. Verlag, Erscheinungsort, Jahr: cbt/cbj Verlag, München, 2008

4. Seitenzahl: 309 Seiten, danach noch ein Nachwort, eine Zeittafel und Begriffsklärungen bis Seite 347

5. Genre: historischer Tatsachenroman

6. ISBN: 978-3-570-30475-4

7. Preis: 7,95€

8. Buchvorstellung:
In Deutschland im Jahr 1933 wird der 4-Jährige Ernst Lossa, Sohn von Jenischen, auch als Zigeuner betitelt, von seiner kranken Mutter und den drei Geschwistern weggeholt. Man steckt ihn in ein Heim, wo er als einer der kleinsten den Hänseleien größerer Jungen schutzlos ausgeliefert ist. Sie verlangen Geld von ihm und so fängt er an zu stehlen. Nachdem er mehrere Male erwischt wird, schieben sie ihn ins nächste Heim. Währenddessen stirbt seine Mutter und der Vater wird nach Dachau ins Arbeitslager gebracht. Die beiden Schwestern sieht er zum letzten Mal, als er das erste Heim verlässt, der Bruder ist lange schon tot.
Abgestempelt als schwieriges Kind wird er von Heim zu Heim geschoben und endet schließlich in der psychiatrischen Anstalt in Kaufbeuren. Obwohl er ein völlig gesunder Junge ist wird ihm ein Gutachten als "asozialer Psychopath" ausgestellt und Ernst damit als minderwertiges Leben gekennzeichnet. Von Kaufbeuren überweist man ihn nach Irrsee, wo 1944 die Ermordung erwachsener Patienten durch Spritzen und Tabletten beginnt.
In der Nacht des 8.August 1944 erhält Ernst zwei Spritzen mit Morphium-Scopolamin und stirbt am folgenden Tag ohne noch einmal das Bewusstsein zu erlangen.

Zitat:
Zwei Zimmer weiter nimmt Heichele den Hörer des Haustelefons ab. "Es ist so weit."
Er nestelt einen kleinen Schlüssel hervor und öffnet damit sein Schränkchen. Bekümmert starrt er auf den Inhalt, dunkelbraune Ampullen und graue Tablettenpackungen, ordentlich gestapelt. Manchmal hasst er seinen Beruf. Bisher haben nur die Idioten die Spritze bekommen, die wirklich schweren Fälle, die die ganze Zeit im Bett liegen und nichts mitkriegen, die ihr Leben lang gewickelt und gefüttert werden müssen. Doch selbst die verfolgen ihn manchmal in seinen Träumen.
Aber nun ausgerechnet Ernst. Heichele fährt sich mit der Hand über die Augen. Draußen quietscht die Tür zum Treppenhaus. Er gibt sich einen Ruck. Vor dem Frick und der Kneißler darf man keine Schwäche zeigen, Befehl ist Befehl. Er nimmt eine Tablettenschachtel und eine Ampulle, überlegt, dann noch eine zweite und schließt das Schränkchen wieder ab.


9. persönliche Bewertung des Buches:
Dieses Buch weckt ein tiefes Mitgefühl mit der Person des Ernst Lossa. Am Ende hat man das Gefühl einen guten Freund zu verlieren, denn im Laufe des Buches lacht und leidet man mit Ernst, der in dieser Erzählung zu einer real erscheinenden Person reift.
Es ist die Wahrheit der Geschichte, die über einen weniger bekannten Teil der NS-Vergangenheit berichtet, die so bestürzend ist und durch die bildhafte Erzählweise des Autors uns das Leid und den Schrecken dieser Zeit näher bringt.
Ein Buch über Euthanasie und Ablehnung gegenüber den fahrenden Völkern und die Geschichte eines Jungen, der kerngesund in der
Psychiatrie eingewiesen und dort ermordet wird, einzig weil er nicht in das System des Nationalsozialismus passte.

Ich empfehle dieses Buch jedem.
Es ist in einer Art und Weise erzählt, die die schon längst vergangenen Gräueltaten ganz nah wieder heranholt und für uns auch greifbar macht. Die gründliche Recherche gibt dem ganzen einen Hintergrund und lässt Ernst Lossa als die Person erscheinen, die er wirklich gewesen ist.


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